Der Werdegang
Zum Greifen nahe:
„Niggel und der Rote Schatten“
Eine Musical-Produktion der Musikschule in Kooperationmit anderen kreativen Einrichtungen Hildens Wie wird aus einem ungeordneten Wust zahlreicher Ideen ein aufführbares Musical? Ein Geheimrezept für die Vorgehensweise bei einem solchen Vorhaben gibt es wohl nicht, lediglich ein paar Erfahrungswerte aus vergangenen Projekten und je eine gehörige Portion Geduld und Idealismus stehen uns zur Verfügung. Das ist ein gutes Startkapital. Jetzt fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten:
Punkt 1: Wir brauchen eine Geschichte.
Da gibt es einen Hasen – Niggel heißt er –, eine mystische Gestalt – den Roten Schatten – und jede Menge Hühner. Außerdem gesellen sich noch ein Blut saugendes Schaf, ein sprachgestörtes Schwein, eine falsch herum gestreifte Katze, ein knorriger Adler, ein australischer Dingo, eine überängstliche „Tolerantel“, ein stotternder Storch, ein…
Jetzt haben wir die Übersicht verloren. Egal. Es gibt einen fleißigen Schreiber, den schicken wir in Klausur, damit er seinen Ideensalat schmackhaft zubereitet. Wir müssen nur ab und zu mal ein wenig abschmecken, damit unser Autor nicht in eine zu absurde Rezeptur abgleitet.
Punkt 2: Wir brauchen Musik.
Jedes anständige Musical ist natürlich gespickt mit diversen Welthits, die bereits nach der Premiere jeder von den Dächern pfeift. Dummerweise sind die meistens dieser Hits bereits belegt und stehen für unser Musical nicht mehr zur Verfügung. Wie sollte auch ein Huhn „Somewhere over the rainbow“ krähen oder ein Schaf „Cabaret“ blöken – das ginge nun wirklich zu weit. Dann müssen wir die Musik eben auch selbst schreiben. Zum Glück haben wir ja schon unser fleißiges Schreiberlein (der in der Klausur mit dem Salat und so). Der bekommt noch eine schöne neue Hausaufgabe. Wer einen Text schreiben kann, kann vielleicht auch eine Musik dazu komponieren? Gesagt, getan.
Punkt 3: Wir brauchen eine Crew.
Herrliches Wort: „Crew“! Klingt professionell und doch unverbindlich. Doch wer oder was verbirgt sich dahinter? Wir fangen mal „oben“ an. Da gibt es Herrn Uwe Muth, Frau Barbara Engelmann-Bason und Herrn Sebastian Faust. Die drei haben bereits beim letzten Hildener Musical „Canto“ im Jahre 2000 erfolgreich zusammengearbeitet und übernehmen bei „Niggel“ die aufwändige Arbeit der Regisseure und Dramaturgen. Das heißt: Sie stutzen den Text unseres Schreibers zusammen, machen ihn also bühnentauglich und inszenieren die ganze Geschichte für das Publikum. Dann gibt es Frau Beate Klever und Herrn Sandor Pergel (auch alte „Cantonesen“), die alles betreuen, was mit „Tanz“ zu tun hat. Die Damen Anja Paulus und Andrea Keden kümmern sich dagegen um die Gesangseinlagen und die Chorpartien des Musicals.
Dazu kommen noch Fachkräfte für Orchesterleitung, Bühnenbild, Maskenbildnerei, Kostüme, Ausstattung, Technik, graphische Aufgaben, Verwaltung und Korrespondenz, Sekretariat etc. Die Hundleinen dieser ganzen Menschen laufen in den Händen des Musikschulleiters Karl Hentschel zusammen, der seit dem wieder von ruhigeren Zeiten träumt…
Aber alles wird gut. Die Sterne stehen günstig und die „Crew“ brennt vor Tatendrang.
Punkt 4: Wir brauchen Geld.
Das ist ein kniffliges Thema, weil natürlich niemand Geld zu verschenken hat, schon gar nicht für ein Projekt, dessen Erfolg noch nicht absehbar ist, da es vollkommen neu erschaffen wird.
Trotzdem hat sich bereits in Gestalt der NRZ ein Hauptsponsor gefunden und die Suche geht weiter.
Punkt 5: Wir brauchen Darsteller.
Die Aufgabe, geeignete Schauspieler, Sänger und Tänzer für „Niggel und der Rote Schatten“ zu finden hat sich als die bisher spannendste herausgestellt. In einem Casting haben sich an einem Wochenende über 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Räumen der Musikschule eingefunden. Sie sangen, sprachen und tanzten vor verschiedenen Jurys und begeisterten uns teilweise durch enorme Ausstrahlung und verblüffendes Talent.
Natürlich konnten nicht alle dieser zahlreichen Bewerber einen Platz in unserer Produktion erhalten, doch das bringt das System eines Castings leider mit sich.
Ein weiteres abschließendes Nachcasting brachte uns dann die Gewissheit: 30 Schauspieler wurden für die Haupt- und Nebenrollen verpflichtet, rund 30 weitere Kinder und Jugendliche bilden den Musical-Chor und ca. 80 Tänzer werden die Aufführungen mit zusätzlichen Einlagen beleben. Der Orchestergraben wird dann in wechselnden Besetzungen auch noch mal mit rund 50 Musikern bevölkert.
Um diese Masse von Teilnehmenden angehenden Künstlern aufeinander einzuschwören, findet am 12.06.2005 in der Musikschule ein „Niggel-Workshop“ mit anschließender Party statt. Es werden unter Anleitung des Leitungsteams Szenen, Songs und Tanznummern aus dem Musical einstudiert, die sich die verschiedenen Gruppen gegen Abend präsentieren werden.
Punkt 6: Wir brauchen so ziemlich alles, was wir jetzt noch nicht absehen können.
Zusammenfassend kann man nur sagen: Wir brauchen viel Glück und gute Nerven. Die gemeinsame Arbeit an einem Projekt dieser Größenordnung verlangt von allen Beteiligten viel Disziplin und Geduld. Aber selbst wenn alle an einem Strang ziehen, können durch äußere Einflüsse oder höhere Gewalt immer noch unerwartete Abgründe aufbrechen, in denen Teile der investierten Arbeit zu versinken drohen. Genau das zeichnet die kreative Arbeit von Menschen aus und genau das macht sie so spannend aber auch anstrengend. Wer also noch ein paar Daumen frei hat, möge sie für uns kräftig drücken – bis im Dezember ein kleiner Hase und ein Heer von Hühnern über die Bühne der Hildener Stadthalle hoppelt…
INFO: niggel(at)uweha.de
Sekretariat: Ulrike Hase (!) 02104 – 138 48 61