Jedem Kind ein Instrument (JeKi)
Seit dem Schuljahr 2007/08 wird an Grundschulen im Ruhrgebiet jedem Kind Instrumentalunterricht angeboten.
In Hilden startet das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ im Jahr 2008 mit zwei Grundschulen.
In jedem Folgejahr werden 2 weitere Grundschulen dazu kommen, bis alle interessierten Schulen im Projekt sind.
Ziel ist die vollständige Erreichung aller Grundschulkinder im Jahr 2014.

Aktives Musizieren
• Vermittelt kulturelle Bildung
• Fördert die individuelle Entwicklung des Kindes
• Schafft gemeinsame Musikerlebnisse in der Gruppe Musik bewirkt
• Eine Verbesserung der sozialen und emotionalen Kompetenz
• Eine Steigerung der Lern- und Leistungsmotivation
• Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Mitschülern
Grundzüge des Projektes
Leider müssen wir immer soviel Zeit verlieren, um das zu prüfen, was selbstverständlich wäre.
Obschon die Beweise immer häufiger werden (...), gibt es noch immer nicht in allen Schulen aller Länder einen guten Musikunterricht. Bestimmt kann man behaupten, dass ohne Musik keine gründliche soziale Harmonie und keine positive Beziehung zur Natur zu schaffen ist.
Yehudi Menuhin 1993
Zusammenfassung
Die Musikschule Hilden ermöglicht im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes mit einem oder mehreren Sponsor(en), jedem Kind die intensive Begegnung mit einem Musikinstrument. Alle Kinder können in ihrer Grundschule eine einjährige spielerische Einführung in die Musik erhalten und sich danach in einer Kleingruppe intensiv einem Musikinstrument widmen. Einbezogen sind Geige, Cello, Kontrabass, Trompete, Posaune, Querflöte, Klarinette, Horn, Gitarre, Mandoline, Akkordeon und Blockflöte.
Die Instrumente werden den Kindern leihweise für ein Jahr überlassen.
Die Gelder zum Ankauf der Instrumente werden durch Sponsoren bzw. sonstigen Unterstützern aufgebracht.
Die Teilnahme kostet monatlich € 25; der Betrag beinhaltet eine Versicherung des Musikinstruments. Ermäßigungen aus sozialen Gründen bis hin zum Erlass sind möglich.
Start des Projektes im August 2008 mit 2 Hildener Grundschulen.
Voraussetzung hierfür ist das Finden und Einbinden von Sponsoren, Stiftungen und sonstigen Unterstützern, die bereit sind, das Projekt finanziell zu unterstützen.
Zum Schuljahr 2013/2014 ist die letzte Ausbaustufe für dann 10 Grundschulen geplant. Dann werden rd. 495 Grundschüler an diesem Projekt beteiligt sein.
Einleitung
Alle Kinder der 1. und 2. Klassen der Hildener Grund- und Förderschulen sollen die Möglichkeit haben, sich mit Instrumenten vertraut zu machen, miteinander zu musizieren und in ihrer Schule Instrumentalunterricht zu erhalten - das ist das Ziel der städtischen Musikschule und weiterer Geldgeber, das 2014 erreicht sein soll. Der bzw. die Geldgeber sollen der Musikschule für dieses Projekt die benötigten Gelder zum Ankauf der Instrumente zur Verfügung stellen und sich dafür einsetzen, weitere Finanzierungspartner für das Projekt zu gewinnen.
Jedes Grundschulkind wird dadurch die Möglichkeit haben, intensive Erfahrungen mit einem Musikinstrument zu machen.
"Jedem Kind ein Instrument" ist in dieser Zielsetzung ein Projekt, das im Ruhrgebiet erfolgreich angelaufen ist.
1. Einsichten und Absichten
Wir können uns heute auf etliche anerkannte Studien stützen, die zu dem übereinstimmenden Ergebnis kommen, dass die Musik durch ihre vielfältige Wirkungsweise positiv auf die Entwicklung unserer Kinder wirkt und im Besonderen auch Fähigkeiten wie Konzentration, Ausdauer, Lern- und Übebereitschaft, soziale Aufmerksamkeit, Ausgeglichenheit, innere Beweglichkeit u.a. fördert, die Grundlage für Lernerfolge in allen Schul- und Lebensbereichen der Kinder sind.
In der Diskussion „nach Pisa“ ist deutlich geworden, dass nicht nur die mathematisch naturwissenschaftliche Bildung gefördert werden muss. Auch die sensorischen Fähigkeiten und die Schlüsselkompetenzen des sozialen Verhaltens sind in einer modernen und zukunftsorientierten Bildung unverzichtbar und müssen verstärkt gefördert werden.
Was in der „bildungssensiblen“ Phase des Grundschulalters versäumt wurde, kann später nicht mehr ohne weiteres erreicht werden.
Andererseits ist die Lage des Musikunterrichts an den Grundschulen geradezu desolat: es sind kaum Musiklehrer vorhanden und der selten stattfindende Musikunterricht wird in aller Regel zwar mit großen Engagement – aber fachfremd erteilt.
Die besten pädagogischen Wirkungen hat Musikunterricht, wenn die Kinder unmittelbar mit einem Musikinstrument umgehen und versuchen, damit Musik zu machen. Davon ist die Mehrzahl der Grundschulen aber sehr weit entfernt.
Die Musikschule Hilden ist davon überzeugt, dass bereits der einjährige Kontakt mit einem Musikinstrument - ein Jahr vorbereitet - tiefe positive Wirkungen auf die Kinder hat. Die Erfahrung, sich mit einem Instrument auseinander zu setzen, Widerstände zu überwinden, mit den eigenen Händen und dem eigenen Atem Musik zu formen und gemeinsam mit anderen zu lernen, ist überaus wertvoll.
Nicht zuletzt wird das musikalische Leben in einer Grundschule durch die Einbindung der Musikinstrumente nachhaltig gestärkt und fachfremd unterrichtende Lehrer werden unterstützt. Die Musikschule legt den Unterricht so an, dass nach zwei Jahren ein Abschluss erreicht ist. Die Kinder beherrschen dann das Musikinstrument natürlich noch nicht annähernd. Sie können aber eine Melodie spielen und entscheiden, ob sie auf diesem Weg fortfahren wollen.
Danach kann der Instrumentalunterricht in der Musikschule oder privat aufgenommen werden.
Auch wenn das Musikinstrument nicht weiter erlernt wird, haben die Kinder doch sehr konkret und sehr eindringlich eine kulturelle Praxis erfahren. Sehr viele Grundschulkinder können auf diesem Weg die Musik kennen lernen.
2. Über die Entstehung des Projekts
Ausgehend von den beschriebenen Grundsätzen und dem Wunsch, möglichst alle Kinder zu erreichen, wurde in Gesprächen zwischen der Zukunftsstiftung Bildung und der Musikschule die Konzeption des Projektes „Jedem Kind ein Instrument“ in Bochum entwickelt.
Nicht zuletzt die Vorstellung der Bildungspolitik, jedem Grundschulkind einen Laptop an die Hand zu geben, sollte eine Ergänzung in der Idee finden, jedem Kind ein Musikinstrument zur Verfügung zu stellen.
Angeregt durch positive Erfahrungen an der Rudolf Steiner Schule in Bochum entwickelte die Musikschule ein Konzept, wie das Vorhaben in allen Grundschulen in Bochum umgesetzt werden kann.
Angesichts der finanziellen Lage der Stadt Bochum musste das Entgelt für den Unterricht kostendeckend sein. Im Hinblick auf den geplanten Kleingruppenunterricht konnte das von den Familien zu zahlende Entgelt auf € 25 gesetzt werden. Damit sind die Personalkosten für den Unterricht sowie die Instrumentenmiete und -versicherung gedeckt.
Mit der Zusage der Zukunftsstiftung Bildung, die Kosten für den Kauf der Instrumente zu übernehmen und der Zusage der Stadt Bochum, sich mit der Musikschule personell und konzeptionell zu beteiligen, konnte das Projekt im September 2003 starten. Es ist damit in Bochum zum ersten Mal gelungen, ein musikpädagogisches Projekt der Musikschule von erheblichem Umfang durch mutige s Engagement einer privaten Stiftung zu initiieren.
Für Hilden gilt in gleichem Maße der Anspruch auf Kostendeckung durch die Unterrichtsentgelte. Durch noch zu findende Unterstützer sollen die Kosten für die Anschaffung der erforderlichen Instrumente in Höhe von insgesamt 185.000 Euro aufgebracht werden. Einen 5-teiliger Stufenplan beginnt in 2008 mit 2 Grundschulen und hat 2014 alle 10 Grund- und 1 Förderschule integriert.
3. Grundzüge des Projekts
Das Projekt dauert jeweils zwei Jahre: im ersten Jahr werden die Kinder auf den instrumentalen Unterricht vorbereitet. Sie lernen Musikinstrumente kennen und üben sich in den Grundlagen der Musik.
Im zweiten Jahr erhält jedes Kind ein Musikinstrument seiner Wahl (soweit möglich), das es mit nach Hause nehmen kann.
Die Lehrer der Musikschule kommen zum Unterricht in die Grundschule. Die Gruppengröße liegt bei 16 bis 22 Kindern. Es kann auch mit den Grundschulen vereinbart werden, dass der Unterricht gemeinsam mit dem Grundschullehrer oder der Grundschullehrerin erteilt wird. Es kann sich eine Form des „Team-Teaching“ entwickeln. Das betrifft allerdings nur das jeweils erste Projektjahr. Mit jeder Grundschule wird vereinbart, welche Instrumente konkret angeboten werden. Die gesamte Palette in jeder Grundschule anzubieten ist aus organisatorischen Gründen nicht möglich.
Mit jeder einzelnen Grundschule muss geklärt werden, ob und in welcher Weise das Konzept in den Stundenplan integriert werden kann.
Das Projekt ist völlig unabhängig von den Bemühungen um die „Offene Ganztagsschule“ zu sehen und ist völlig frei von den dort geltenden finanziellen Bedingungen.
Die Vorstellung, ALLEN Kindern ein Instrument in die Hand zu geben, muss in der Praxis eine Wunschvorstellung bleiben, da nicht alle Kinder diese Förderung erhalten wollen. Daher sind die Planungen pragmatisch davon ausgegangen, dass ca. 75% der Kinder in der Zielgruppe erreicht werden.
Die Teilnahme an diesem Projekt kostet monatlich pro Kind € 25. Der finanzielle Beitrag kann im ersten Projektjahr auf € 15 gesenkt werden, wenn eine ganze Schulklasse teilnimmt und eine Lehrkraft der Grundschule den Musikschullehrer unterstützt (Team-Teaching, s.o.).
Im zweiten Projektjahr liegt die Größe der Gruppen zwischen 4 und 6 Kindern. Die Teilnahme ist für Kinder von ALG II- und Sozialhilfeempfängern beitragsfrei.
Über die Unterstützer soll außerdem ein Font zur Verfügung gestellt werden, um das Entgelt in sozialen Härtefällen ermäßigen zu können. Kein Kind soll aus finanziellen Gründen ausgeschlossen sein. (Dieser Anteil ist bereits in den vorkalkulierten Instrumentenkosten berücksichtigt.)
Nach Ende des zweijährigen Projekts macht die Musikschule den Kindern, die weiterhin ein Musikinstrument erlernen wollen, ein Angebot.
Für den Ankauf der Musikinstrumente und für die Zuschüsse für finanzschwache Familien wird mit einem Finanzierungsvolumen von jährlich etwa € 39.000 gerechnet. Die Unterstützer stellen hierfür eigene Mittel zur Verfügung und setzen sich mit dafür ein, Spender, weitere Unterstützer und im Kreis überregionaler Stiftungen Finanzierungspartner für dieses Projekt zu finden.
Die Stadt Hilden stellt organisatorische Kapazitäten in der Musikschulleitung für die personelle und sachliche Koordination des Projekts, die Lehrkräfte und die erforderlichen Unterrichtsräume in den Grundschulen zur Verfügung.
4. Erfahrungen des ersten Jahres: Schuljahr 2008/2009
Teilnahme
Es haben sich für den Start an der Grundschule am Elbsee und an der Astrid-Lindgren-Schule insgesamt 81 Kinder gemeldet, die jetzt das erste Projektjahr durchlaufen. Bezogen auf die Gesamtschülerzahl des 1. Schuljahres entsprach dies knapp 80%.
Team-Teaching
Vor Beginn des Projektes war die Form des Team-Teaching mit je einer Lehrkraft der Musikschule und der Grundschule als Sonderfall gedacht, wenn sich ganze Klassen anmelden. Tatsächlich scheint diese Form jedoch zur Regel zu werden, da auf andere Art und Weise Gruppen von über 20 Kindern nicht unterrichtet werden können. Daraus ergibt sich eine immer enger werdende Zusammenarbeit zwischen den Grundschulen und der Musikschule.
Instrumentenwahl der Kinder
Die Kinder lernen im ersten Schuljahr alle Musikinstrumente intensiv kennen. Gegenüber anderen elementaren Einführungen in die Musik wie z.B. der bisherigen Musikalischen Grundausbildung, sind die Inhalte gestrafft und führen zielgerichtet auf Kenntnis der Musikinstrumente und persönliche Erfahrungen mit Musikinstrumenten hin. Das bereitet die Entscheidung der Kinder am Ende des ersten Jahres für ein bestimmtes Musikinstrument vor.
Weiterführung nach dem ersten Jahr
Der Schritt vom ersten zum zweiten Projektjahr wird sicherlich für alle Beteiligten spannend werden. Die Kinder müssen sich am Ende des laufenden Schuljahres für ein bestimmtes Musikinstrument entscheiden und bekommen es am Beginn des zweiten Jahres selbst in die Hand. Wird im ersten Jahr in Klassengröße unterrichtet, so findet dann im 2. Jahr Instrumentalunterricht in Kleingruppen statt, womit sich der Beitrag von € 15 auf € 25 erhöhen wird. Wir sind alle sehr gespannt, wie viele sich für das 2. Jahr anmelden werden.