Querflöte

Geschichte
Noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts bedeutet Flöte stets Blockflöte, die Querflöte erhält einen Zusatz: deutsch, allemande, german, traverso oder traversière. Wie diese Bezeichnungen erkennen lassen, war die Querflöte vor allem in Deutschland verbreitet. Bereits im 16. Jahrhundert(hohes Mittelalter) ist sie ein bekanntes Instrument der Soldaten, wo die Querflöte, als grelles Diskantinstrument - meist Schweitzer Pfeife oder Querpfeife genannt - mit der Trommel gespielt wird.
Man baute Querflöten in verschiedenen Größen und jeweils aus einem Stück. Gemessen an den Blockflöten führen die Querflöten, die in ihrer historischen Form heute meist Traversflöten oder Traversen genannt werden, bis in das 17. Jahrhunderts hinein ein bescheidenes Dasein. Das Stimmwerk der Querflöten mutet bei Michael Praetorius mit seinen drei Mitgliedern, verglichen mit der achtfachen besetzten Blockflötenfamilie, noch sehr bescheiden an und führte bis ins 18. Jahrhundert ein untergeordnetes Dasein. Erst als die zunehmende Individualisierung der Musik die nur schwach im Ausdruck beeinflußbaren Blockflöten durch ausdrucksstärkeren Instrumente ersetzen mußte, trat an die Stelle der Blockflöte die Querflöte (die auch das Klavier an die Stelle des Cembalo, z.B.).
Die Renaissance-Traversflöte, eines der stillsten Instrumente dieser Zeit, ist noch einteilig. Daraus entwickelt sich nach 1650 in Frankreich die barocke Traversflöte. Sie ist umgekehrt konisch und in drei Teile zerlegbar. Das Anblasloch und die Grifflöcher sind größer, verglichen mit der modernen Flöte dennoch klein. Damit wird auch der Klang stärker, während ihn die konische Form heller macht. Eine Klappe, die Dis-Klappe, die normalerweise geschlossen ist, gehört zum Bild der Barockflöte. Die Stoßstellen zwischen den einzelnen Teilen sind verstärkt, oft durch Ringe aus Elfenbein. Ein besonderer Reiz des Flötenklangs wird durch die Griffweise der Halbtöne bewirkt. Da für sie keine Löcher vorhanden sind - mit Ausnahme des dis’ -, müssen sogenannte Gabelgriffe verwendet werden, die den Klang der Halbtöne dunkler macht. So erhält jede Tonart durch die unterschiedliche Zahl an Halbtönen ihren eigenen Klangcharakter, was ähnlich auch für die Blockflöten gilt. Die barocke Traversflöte steht in D-dur; der tiefste Ton ist d’. Durch längere Fußstücke (C-Fuß, H-Fuß) kann auch noch c’ bzw. h’ erreicht werden.
Im 18. Jahrhundert erfreute sich das Instrument einer großen Beliebtheit bei adligen Musikfreunden, z.B. bei Friedrich Dem Großen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wird die Mensur enger und der Tonumfang nach oben erweitert. Es kommen Klappen hinzu. Durch J. J. Quantz, dem Verfasser der 1752 erschienenen berühmten Flötenschule, sowie durch Flötenbauer und Flötisten wurde die Flöte im 18. Jahrhundert in ihrer Spielfähigkeit durch technische Vervollkommnung, u.a. vermehrte Klappenzahl, wesentlich verbessert. Dieser französische Querflötentyp bleibt bis gegen 1800 nahezu unverändert und ist das Instrument Mozarts und Haydns.
Gegen 1800 erhält die Querflöte neben anderen Veränderungen weitere Klappen für einige Halbtöne, die sich dann klanglich an die diatonischen Töne anpassen. Dieses halbchromatische Instrument ist von der Beethovenzeit bis etwa 1850 gebräuchlich.
Während das System von Klappen, Ringen, Hebeln usw. bei anderen Holzblasinstrumenten Schritt für Schritt im 19. Jahrhundert verbessert wird, wird von Theobald Boehm (1794 - 1881) 1812 ein neues Klappensystem entwickelt, das er nach 35 Jahren noch einmal verbesserte und das bis heute noch angewendet wird: Die Boehm-Flöte. Diese Boehm-Flöte ist im wesentlichen unser modernes Instrument. Boehm geht - mit Ausnahme des Kopfstückes - wieder auf die zylindrische Bohrung zurück und berechnet für jeden Halbton die genaue Lage der Grifflöcher. Da die große Zahl der Löcher so nicht mehr zu greifen war, werden sie, wenn nötig, durch Klappen geschlossen. Dies alles führte zu einem neuen Flötenklang, der sich durch Fülle, Gleichmäßigkeit und Reinheit von dem der milden und weich klingenden Flöte des 18. Jahrhunderts unterschied. Während Frankreich und England die Boehm-Flöte sehr schnell akzeptierten, bildete sich in Deutschland eine starke Gegenströmung heraus, die mit nicht geringem Erfolg das alte Instrument verbesserte, ohne das Klangideal aufzugeben (Kruspe-Schwedler-Flöte 1895, Reform-Flöte 1912). Gleichzeitig werden Flöten nun aus Metall hergestellt.